Vis
Geschichte Der Dampfer VIS gehärte zur Firma Schiffsgesellschaft AG (Aktiengesellschaft) "Oceanija" aus Susak, die zwischen den zwei Weltkriegen eine bedeutende Handelsflotte besaß. Er wurde im Jahre 1921 in Großbritannien unter dem Namen RENTERIA gebaut, und wie die meisten damaligen Schiffe hatte eine Dampfmaschine von dreifacher Expansion. Das Frachtschiff wurde in vier große Laderäume geteilt, je zwei vor und hinter dem Aufbau. Nach dem Kriegsausbruch im Jahre 1939 bekam es die Überschrift "JUGOSLAV" und eine Staatsfahne am Bord, damit U-Boote und Kriegsschiffe der feindlichen Seiten von weitem sichten konnten, dass es sich um ein Schiff eines neutralen Landes handelt. Nach der Besetzung Jugoslawiens im April 1941 wurden alle jugoslawischen Schiffe, die sich in britischen oder amerikanischen Häfen befanden, für Bedürfnisse der Kriegsmarine beschlagnahmt. Von diesem Schicksal wurde auch die VIS getroffen, die gleich den Konvois der alliierten Schiffe zugeordnet wurde. Da seine Tonnage kleiner als die Tonnagen anderer jugoslawischer Schiffe war, fuhr es im Küstenkonvoi längs der USA-Küste, vorwiegend aufder Linie Kuba-Nordamerika-Kanada. Im Dienste der Alliierten war das Schiff bis zum Kriegsende aktiv und entkam allen Fallen deutscher U-Boote, die auch amerikanische Küsten zu besuchen pflegten. Gegen Kriegsende fuhr die VIS in einem Konvoi über den Atlantik nach England, wo sie eine Fracht Holzmaterial ausschiffte. Danach setzte sie die Fahrt nach Oran in Nordafrika fort. In Oran wurden verschiedene Waren für Alexandria, und in Alexandria die UNR-Hilfe für Jugoslawien verfrachtet. Die VIS lief zuerst in den Hafen von Triest ein und dann, nach vielen Kriegsjahren, in den Hafen von Split. Es folgten noch einige kürzere Fahrten, um im Februar 1946 in Rijeka einzulaufen. Am Morgen den 13. Februar 1946 ist die VIS nach Rasa in Istrien ausgefahren , wo sie eine Kohlenfracht einschiffen sollte. Es war stürmisch, und der Heckwind half dem Schiff die Geschwindigkeit zu erhähen. Da mitten in Vela vrata (Durchgang zwischen der istrischen Küste und der Nordküste der Insel Cres) die Minenfelder noch nicht geräumt waren, wurde es dem Kapitän befohlen, wegen der Minengefahr mäglichst nahe der istrischen Küste zu fahren, wo es einen von Minen geräumten »Korridor", gab. So fuhr die VIS unmittelbar an der istrischen Steilküste vorbei, etwa 400 m von der Küste entfernt. Als sie sich etwa um 09.30 Uhr nahe dem Kap Masnjak (Nordkap bei der Einfahrt in die Plomin-Bucht) befand, ließ eine starke Explosion das Schiff erzittern, und an der Backbordseite erhob sich eine riesengroße Wassersäule. Mit Wasser flogen auch Rumpf- und Ausrüstungsteile in die Luft, um nach einigen Sekunden neben dem Schiff ins Meer zu fallen. Der Vordermast stürzte mit einem Knall über das Deck und verwüstete es, und am Steuerbord klaffte ein großes Loch, wodurch das Meer durchdrang. Der Kapitän Frano Jurkotic, der erste Deckoffizier Sveto Ratkovic und der Deckführer Ante Kraljevic, sowie andere auf dem Deck befundene Besatzungsmitglieder versuchten schnell zu retten was man retten konnte. Es gab keine Zeit die Rettungsboote zu Wasser zu lassen, denn das Schiff lag schon bis zum Hauptdeck im Wasser. Es blieben nur noch von den Alliierten an dem Aufbau aufgestellten Flässe auf Rampen übrig, für den Fall, dass man das Schiff schnell verlassen muss. Die Seile der angebundenen Rettungsflässe wurden durchgeschnitten und die Flässe glitten ins Meer aus. Die Besatzung stieg irgendwie auf die in der Nähe des schnell sinkenden Schiffes getriebenen Flässe. Es vergingen keine zehn Minuten ab der Explosion und die VIS verschwand mit hoch gehobenem Heck für immer. Es war eine schwierige Szene für die Schiffbrüchigen, von denen viele die schlimmsten Kriegsereignisse während ihrer Seefahrt auf der VIS erlebten, und jetzt verlieren sie ihr Schiff so nahe dem Heimathafen. Es verunglückten tädlich drei Seeleute. Die Schiffbrüchigen wurden von einem Motorsegelschiff gerettet und nach Rabac gebracht. Die leichter verwundeten Besatzungsmitglieder erholten sich schnell, und die meisten befuhren auch weiter die See. "Was kännte ein Seemann anders machen?", fragte einer von den Überlebenden. Zustand des Wracks und Tauchen Obwohl die VIS nur ca. 400 m von der Küste unter dem Dorf Nacinovici liegt, gehärt ein Tauchgang daran zum Tauchen auf dem offenen Meer. Interessanterweise ist der hohe runde Schornstein noch an seinem Platz, obwohl an ihm unzählige Netzreste hängen. Seine Seiten sind ein wenig eingedrückt, weil während des Sinkens das Meer noch nicht in das Innere gedrungen war, sondern von außen den Schornstein drückte und so seine Außenhaut verbeulte. Die Blechbuchstaben "0" am Schornstein -das an den beiden Seiten angebrachte Zeichen der Gesellschaft "Oceania« sind sehr gut erkennbar. Der Aufbau ist gut erhalten, nur die Holzdecke sind verfallen, so dass man in das Innere problemlos kommen kann. Auch Wände und Fenster des Steuerhauses sind gut erhalten, nur die Holzdecke fehlt. Im Aufbaubereich sieht man allerlei Installationen, Rohre und Ausrüstungsteile. Fensterscheiben des Steuerhauses sind aus der Fassung gefallen und liegen an dessen Boden im Sand unter den Fenstern. Die Goniometerantenne ist vom Steuerhausdach einen Stock tiefer gefallen und hängt jetzt an den Stahlquerbalken des Steuerhauses. Der Boden auf der Nock ist durch Stahlplatten verstärkt. Das waren die Verstärkungen für die Flugabwehrkanonen, die sich darauf befanden während die VIS im Dienste der Alliierten war. An den Aufbauseiten sieht man erhaltene Bullaugen. Alle Schiffsaußenseiten sind mit verschiedenen Wasserpflanzen dicht bewachsen und manche Gegenstände haben sich in unerkannte Formen verwandelt. Der Bugteil ist schwer beschädigt. Der gestürzte Mast liegt über der Ladeluke Nummer 2, mit einer Menge von Stahlknebeln, die während der Explosion geborsten sind. Auch das Backbord in der Höhe des vorderen Laderaums ist durch die Explosion völlig zerstört und an dieser Stelle klafft in der ganzen Bordhöhe ein großes Loch. Auch das Deck ist an dieser Stelle zerstört, und seine Seiten heben sich empor. Am Bug gibt es große Ankerwinden. Der Halter, an dem einst die Glocke hing, ist leer. Die Glocke wurde längst zur Beute von einem der ersten Besucher. Die beiden Buganker sind in ihren Ankertaschen Wenn wir an der Außenseite des Aufbaus zum Heck vorbei schwimmen, finden wir in der Schornsteinhöhe schräge Stahlkonstruktionen. Es waren die Träger der Rettungsflösse, die einzigen, die vor dem Sinken ins Meer gelassen wurden. Hinter ihnen finden wie die Davits und nach ihrer geneigten Lage schließen wir, dass die Besatzung versuchte, die Boote ins Wasser zu lassen. Hinter dem Schornstein ist die Lichtöffnung des Maschinenraums, mit teilweise offenen Deckeln. Im starken Lichtbündel kann man die Umrisse der Dampfmaschine wahrnehmen. Weiter zum Heck schwimmen wir an einer kleineren "Hütte" vorbei, wonach die Ladeluke Nummer 3 vor uns erscheint. Darüber steht der mit Stahlwanten noch verspannte Besanmast. In den Laderäumen finden wir keine Schiffsfrachtreste. Inmitten des Lageraums gibt es ein breites Rohr, das von der Trennwand des Maschinenraums bis zum Heck führt. Es ist der "Tunnel« der Achsenleitung, ein Maschinenachsenschutz gegen mögliche Beschädigungen. An der linken Trennwand, die den Lageraum von dem Maschinenraum trennt, gibt es eine befestigte vierflügelige Reserveschiffsschraube von imposanter Größe. Nach dem offenen Heckladeraum erreichen wir das Heck selbst, mit Resten eines kleineren Aufbaus. Das Dach ist verfallen und im Wracksinneren sind verschiedene Gegenstände zu sehen, deren richtige Form kaum zu erkennen ist. Es gibt einen kleineren runden Wasserbehälter und Davits der Heckrettungsboote. Am Heck auf den Grund geschwommen kommen wir in eine trübe, fast immer 1-2 m über dem Grund aufhaltende Wasserschicht. Die teilweise im Schlamm liegende Schiffsschraube und das Ruderrad sind kaum erkennbar. An den Schiffsseiten sehen wir Holzreste der von ihrem Platz ausgefallenen Rettungsboote. Der Aufbau ist der interessanteste Wrackteil und darüber sieht man meistens große Fischschwärme, meist kleine Schnauzepikarelle und etwas größere Merlane oder Wittlinge. Seeaale(Conger) sind auch keine Seltenheit, besonders im Wrackinneren. Während des Auftauchens sieht man bei guter Sicht noch lange tief unter uns die Schornsteinumrisse des hächsten Schiffsteils, als ob man die VIS der Vergessenheit nicht überlassen wollte. Dieser Anblick ist ein besonderes Erlebnis und übt einen tiefen Eindruck aus. |
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